Freiburger Rückhalt im Nati-Tor
Am
Sonntag in einer Woche beginnt in den Niederlanden die
Frauenfussball-EM. Mit dabei ist auch eine Freiburgerin: Gaëlle
Thalmann hütet das Tor der Schweiz, die sich erstmals überhaupt für eine
EM qualifiziert hat.
Wenn
das Schweizer Frauennationalteam am 18. Juli in Deventer gegen
Österreich sein erstes EM-Spiel bestreitet, übernimmt eine Freiburgerin
eine der Hauptrollen: Gaëlle Thalmann. Die Greyerzerin aus Bulle ist
seit Jahren Stammtorhüterin in der Equipe von Trainerin Martina
Voss-Tecklenburg. Für Thalmann ist es nach der WM 2015 in Kanada das
zweite grosse Turnier mit der A-Nationalmannschaft. «Es ist natürlich
eine Ehre, bei dieser Premiere dabei zu sein», sagt die 31-Jährige im
Gespräch mit den FN.
Schwierige Saison in Verona
Die EM-Teilnahme ist für die Torhüterin der versöhnliche Abschluss
einer schwierigen Saison. «Im Club war es eine recht komplizierte Saison
für mich.» Als Thalmann 2016 zu ASGM Verona wechselte, sprach man beim
nordostitalienischen Club davon, um den Meistertitel zu spielen, redete
vom Cupsieg und von einem Weiterkommen in der Champions League.
«Erreicht haben wir letztlich keines dieser Ziele.» Verona hatte ein
internationales Team mit vielen Ausländern zusammengestellt. Doch es gab
schnell finanzielle Probleme, weil der Club das Geld schlecht
verwaltete und in Liquiditätsengpässe geriet. Die Folge: Löhne wurden
nicht bezahlt, Spielerinnen verliessen das Team. «Am Ende der Saison
hatten wir nur noch ein Mini-Kader», sagt Thalmann, die immer noch auf
einen Teil der Lohnzahlungen wartet. Unter den gegebenen Umständen sei
der dritte Schlussrang, der am Ende in der italienischen Liga
resultierte, zwar durchaus ein Erfolg. «Dennoch hatte ich persönlich
mehr erwartet.» Für Thalmann ist deshalb klar: Sie wird nächste Saison
nicht mehr im Tor von Verona stehen. «Es sind neben dem Feld gravierende
Dinge passiert. Deshalb kehre ich definitiv nicht zurück.»
Wo sie nächste Saison spielen wird, weiss die Freiburgerin noch
nicht. Eine Rückkehr in die Schweiz sei keine Option. Nach ihrem wenig
erfolgreichen Abenteuer 2015 beim FC Basel, das sie nach einem halben
Jahr abbrach, will Thalmann noch nicht zurück in die heimische Liga.
Mindestziel Viertelfinal
Zunächst einmal steht ohnehin einzig die EM in den Niederlanden im
Zentrum des Interesses der Freiburger Sportlerin des Jahres 2013. «Unser
Ziel ist es, mindestens den Viertelfinal zu erreichen.» Dafür müssen
die Schweizerinnen wenigstens den zweiten Gruppenrang belegen und wohl
Österreich und Island hinter sich lassen, denn Frankreich dürfte der
Gruppensieg nur schwierig zu nehmen sein. «Die Französinnen sind für
mich der EM-Favorit. Sie haben Weltstars und zahlreiche Spielerinnen aus
Topclubs in ihrem Team. Da werden einige Bälle auf mein Tor kommen»,
sagt Thalmann mit einem Schmunzeln.
Startgegner Österreich hingegen ist wie die Schweiz zum ersten Mal
bei einer EM dabei. In der Weltrangliste stehen die Österreicherinnen
auf Rang 24 und damit genau wie der dritte Gruppengegner Island (19)
hinter den auf Rang 17 klassierten Schweizerinnen. «Gegen beide Teams
sind wir favorisiert. Aber es wird definitiv nicht einfach: Österreich
hat spielerisch einiges zu bieten und die Isländerinnen sind sehr
kampfstark.»
Dennoch wäre für Thalmann alles andere als eine
Viertelfinal-Qualifikation eine grosse Enttäuschung. Nur zu gern würde
die ambitionierte Torhüterin sogar für einen Coup sorgen. «Wenn wir
mutig sein wollen, dürfen wir sogar vom Halbfinal träumen. Klar, in
einem möglichen Viertelfinal würden wir wahrscheinlich auf England oder
Spanien treffen. Gegen beide ist es sehr schwierig zu gewinnen. Aber
wenn wir über uns hinauswachsen, ist alles möglich.»
Am Freitag gehts nach Holland
Thalmann ist weiterhin zuversichtlich, sie will sich nicht vom
Dämpfer, der 0:4-Niederlage in der Hauptprobe vor knapp einem Monat
gegen England, entmutigen lassen. «Wir haben in dieser Partie alle unter
Niveau gespielt und waren alle enttäuscht. Doch wir haben es eher als
Warnung aufgenommen, nicht als Stimmungskiller.» Viele Spielerinnen
seien am Ende einer langen Saison müde, die Laufbereitschaft deshalb
ungenügend gewesen. «Man darf aber jetzt nicht wegen eines Spiels alles
schlechtreden. Wir haben in dieser Saison oft genug gezeigt, was wir
draufhaben, sei es in der EM-Qualifikation oder im März beim Cyprus Cup
in Larnaca, als wir gute Gegnerinnen besiegten.»
An den im Spiel gegen England offenbarten physischen Defiziten hat
das Team diese Woche im Trainingslager in Magglingen gearbeitet. Nun
steht erst einmal ein freies Wochenende an, das Thalmann bei ihren
Eltern in Bulle verbringen wird. Nächste Woche steht ein weiteres
Vorbereitungscamp in Bad Zurzach an, bevor das Team am Freitag nach
Arnheim fliegt und am darauffolgenden Dienstag in Deventer gegen
Österreich sein erstes Gruppenspiel absolviert.
Quelle: http://www.freiburger-nachrichten.ch/fussball/freiburger-ruckhalt-im-nati-tor, 07.07.2017.
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