mercredi 12 novembre 2014

Bericht EUROSOCCER

In der Oktober-Ausgabe des Fussballmagazins EuroSoccer erschien ein Bericht über mich. Er wurde von Andy Maschek verfasst. Hier unten könnt ihr ihn lesen.

Die Torhüterin der Nation

Das Schweizer Frauennationalteam hat auf dem Weg an die WM 2015 in Kanada nicht nur in der Offensive überzeugt, sondern bewies auch defensiv grosse Qualitäten. Nicht zuletzt verantwortlich dafür war Gaëlle Thalmann (28), die Torhüterin der Nation.


Zehn Spiele, keine Niederlage, nur ein Remis (gegen Dänemark), 53 erzielte Tore und lediglich ein Gegentreffer – die Bilanz der Schweizerinnen in dieser WM-Qualifikation war äusserst beeindruckend. Und die erstmalige Qualifikation für eine Endrunde mehr als verdient. Wer nun behauptet, dass die Schweizer Fussballerinnen so stark sind wie nie zuvor, liegt auf jeden Fall richtig. Der Grund? «Da gibt es nicht nur einen, es sind mehrere Dinge verantwortlich», sagt Torhüterin Gaëlle Thalmann. «Wir sind seit längerer Zeit zusammen und so als Mannschaft zusammengewachsen. Wir hatten eine gute Basis und haben dann mit Martina Voss-Tecklenburg eine Trainerin bekommen, die uns gefordert und vielleicht noch mehr das Gewinner-Gen vermittelt hat, so dass wir aus jeder Situation eine Win-Situation machen wollen.» Gleichzeitig seien aber auch die einzelnen Spielerinnen in ihren Vereinen weitergekommen. «Wir wissen, dass wir über die Mannschaft kommen müssen. Wenn jede einzelne ihr Ding macht, funktioniert es bei uns nicht. Aber wir sind als Team zusammengewachsen – es harmoniert einfach. Wir stehen hinten solid und sind vorne immer für ein Tor gut – das hilft», so Thalmann.

Nicht nur Kanonenfutter sein
Klar, dass die Vorfreude auf die WM bei den Schweizerinnen gross ist. Ein Traum geht in Erfüllung, doch damit soll noch nicht Schluss sein. «Wir wollen uns in den kommenden Monaten so gut wie möglich vorbereiten, um in Kanada eine gute Rolle zu spielen. Wir wollen ja nicht Kanonenfutter sein», sagt Torhüterin Thalmann. Dass zu den Top-Nationen noch etwas fehlt, zeigte das Testspiel zuletzt gegen die USA, als die Schweizerinnen mit 1:4 verloren. Man habe nicht sehr gut gespielt, sich aber dennoch gut geschlagen, findet Thalmann. «Um mit solchen Nationen mithalten zu können, müssen alle von uns einen guten Tag erwischen. An an einem solchen hätten wir vielleicht gewinnen können. Wir sind aber noch nicht so weit, dass wir es verkraften können, wenn von unserer ersten Elf zwei oder drei Spielerinnen keinen guten Tag erwischen.» Mannschaften wie Deutschland oder die USA könnten dies dagegen auffangen und selbst dann ein Spiel gegen gute Gegnerinnen gewinnen.

Gaëlle Thalmann ist einerseits durch ihre 28 Jahre, andererseits aber auch durch ihre sportliche Vita eine der erfahrenen Persönlichkeiten im Schweizer Nationalteam. Sie spielte im Ausland schon für die Bundesliga-Klubs Potsdam, Hamburger SV und Leipzig, wechselte 2012 für zwei Jahre zu ASD Torres in Italien und ist seit dieser Saison wieder in Deutschland, beim MSV Duisburg, engagiert. Es sei am Anfang nicht geplant gewesen, so häufig zu wechseln. In Italien wäre sie beispielsweise gerne geblieben, aber das sei nicht möglich gewesen. «Ich warte immer noch auf sehr viel Geld, und der Klub musste aus finanziellen Gründen viele Leistungsträgerinnen abgeben, so dass es auch für mich nicht mehr gestimmt hat», erklärt sie. Deshalb sagte sie zu, als Duisburgs Trainerin Inka Grings, die von 2011 bis 2013 für den FCZ gespielt hatte, Interesse zeigte. «Sie ist eine sehr ehrgeizige Trainerin, was man jeden Tag spürt – und das bin ich auch. Ich bin der Meinung, dass ich von ihr noch sehr viel lernen kann.»

Die Herausforderung gesucht
Mit dem MSV Duisburg hat Gaëlle Thalmann auch die Herausforderung gesucht und nicht den bequemen Weg gewählt. Immerhin ist ihre Konkurrentin im Tor Meike Kämper, die im August mit Deutschland U20-Weltmeisterin und als beste Torhüterin des Turniers ausgezeichnet wurde. «Sie ist gut, aber ich muss mich – ohne arrogant zu sein – nicht verstecken, denn sonst wäre ich nicht hier gelandet», sagt die Fribourgerin. «Zudem besteht zwischen der U20- und der A-Nati doch noch ein Unterschied. Wir haben andere Qualitäten, und jede muss versuchen, ihre Stärken auszuspielen und die Trainerin überzeugen, dass man ins Tor gehört.» Gaëlle Thalmann stand in den ersten beiden Spielen der Saison im Tor und überzeugte, auch wenn es zwei Niederlagen abgesetzt hatte. Kämper wird ihre Chance auch noch erhalten, doch Thalmann sagt: «Ich habe keine schlechte Bewerbung abgeliefert, doch am Ende muss die Trainerin entscheiden.» Angst, auf die Ersatzbank verbannt zu werden, hat sie jedenfalls nicht: «Ich habe gewusst, dass ein gewisses Risiko besteht. Ich habe aber meine Ziele und bin selbstbewusst genug, diese auch zu erreichen. Ob es so wird, weiss ich nicht, es liegt aber an mir, mich zu beweisen. Ich will gefordert sein und denke, dass dies in Duisburg auch der Fall ist.»

Dieser Ehrgeiz, dieser Wille treibt sie also weiterhin an. Durch die WM-Qualifikation spürt Thalmann vor allem auch in der Westschweiz, die bisher fast keine Affinität zum Frauenfussball hatte, ein gesteigertes Interesse am Nationalteam. Und so sagt sie: «Es liegt nun an uns, dies zu bestätigen, gute Leistungen zu zeigen, damit dieses Interesse auch bestehen bleibt.» Gleichzeitig will sie natürlich auch mit dem Klub für Furore sorgen und Erfolge feiern – so wie sie es mit den Titelgewinnen in Deutschland (2009 mit Potsdam) und Italien (2013 mit Torres) schon gemacht hat. «Es ist eines der schönsten Dinge im Sport, wenn man Titel gewinnen darf, dafür arbeitet man ja jeden Tag», sagt Gaëlle Thalmann, die sich aber bedeckt gibt, wenn man sie nach ihren Zielen und Träumen für die weitere Karriere fragt: «Träume habe ich sicher im Hinterkopf, aber ob die Realität werden können, ist eine andere Frage. Deshalb möchte ich diese Träume auch lieber für mich behalten.» Wer nun glaubt, dass ein Husarenstück mit den Schweizer Frauen an der WM unter diesen Träumen ist, wird aber wohl kaum falsch liegen... 



Quelle: EuroSoccer, Oktober 2014, S. 76-77.
Text: Andy Maschek
Foto: EQ Images, zVg





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